Warle

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Der Turmknauf

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Der Kirchturmknauf der Kirche zu Warle wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder einmal geöffnet.

Schuld daran waren mitunter Stürme und Unwetter die die Kirchturmspitze beschädigten und somit eine Reparatur notwendig machten. Es ist seit jeher Brauch, dass beim Öffnen des Turmknaufs Beichte zum Dorfgeschehen, Zeitungen, Münzen dem Knauf als Beigabe hinterlegt werden. Von diesen Beigaben und den im Knauf vorgefundenen Berichten handelt der nachfolgende frei zitierte Artikel.

Der 1. vorzufindende Bericht vom 19.12.1771 stammt vom damaligen Pastor Johann Heinrich Köchy. Der in Braunschweig im Jahr 1734 geborene Pastor Köchy trat sein Amt am 10. Oktober 1762 in Warle an, nachdem er 4 Tage vorher bereits die Pfarre in Schliestedt übernommen hatte. Opfermann dieser Kirche war Heinrich Andreas Cludius aus Langeleben. Er wurde im Jahr 1782 in Warle tätig. 

Die damaligen Zeiten waren schwer und trübselig, Hungersnöte plagten Deutschland. Zu dieser Zeit regierte Fürst Karl I. (1713-1780), Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, bereits 37 Jahre lang.

Der Ausbau der Kirche war im vollen Gang. Auf die Kirche wurde ein kleiner viereckiger Turm gesetzt und in diesem eine kleine Glocke, die zum Geläut gezogen werden konnte, angebracht. Das Baumaterial Eiche, wurde dem Gemeindeholz entnommen. Die Gemeinde konnte aufgrund hoher Schulden den Bau nicht finanziell unterstützen, übernahm aber zumindest den Transport des Baumaterials. Die Kirchenkasse wurde so sehr geleert, dass erst um 1806 daran gedacht werden konnte, die Kirche anständig und zweckmäßig einzurichten.

Der neue Turm hätte nicht mit Knopf und Fahne geschmückt werden können, wenn die Kirche nicht von zwei Hauswirten und deren Hausfrauen beschenkt worden wäre. Es handelte sich um die Eheleute im Hof Nr. 12 (Ackermann Samuel Kotzmann und seine Ehefrau Anna Elisabeth Schliephake, geb. in Beierstedt) und dem Halbspänner im Hof Nr. 11 (Heinrich Andreas Giesecke und seine Ehefrau Anna Maria Schrader geb. in Warle). Die Kirche war für diese Spende so außerordentlich dankbar, dass die Anfangsbuchstaben der Namen der gesegneten Spender, zum Gedächtnis an Knopf und Fahne angebracht wurden.

Der Zimmermeister der diesen Bau im Jahre 1770 durchgeführt hatte, war Meister Wilhelm Kennecke aus Schöppenstedt. Er hat für seine Arbeit sechzig Thaler (1 Taler = 60 Schilling = 4,50 Mark = 1,45 DM = 0,74 Euro) bekommen. Die Schieferarbeit hat Meister Reimer aus Schöppenstedt verrichtet, und die Last Schiefer für 16 Thaler bis unter die Kuppel verarbeitet. Für das Decken der Spitze, sowie das Aufstecken von Knopf und Fahne, wurden weitere fünfzehn Thaler bezahlt.

Die Gemeinde in Warle lebte für damalige Verhältnisse im Wohlstand, obgleich durch eine schwere Feuersbrunst im Jahr 1761, die Höfe Nr. 11, 12, 15, 16, 17, 19, 20, 22 und die Häuser der Grundbesitzer Nr. 13 und 14 gänzlich abgebrannt waren. Der Hof Nr. 21 brannte bis auf das nur leicht beschädigte Wohnhaus ab. Die meisten der damaligen Besitzer hatten alles verloren und die neuen Häuser und Scheunen wurden in großer Anstrengung errichtet.

Am Vormittag des 4. November 1770 brach in Warle Feuer aus. Das vermutlich durch Brandstiftung entstandene Feuer, legte Haus und Scheune von Johann Christoph Brandes (Nr. 5) und den Stall von Hof Nr. 6, Hennig Schliephake aus Calme, in Schutt und Asche. Glücklicherweise war es an diesem Tag windstill, so dass sich die Ausbreitung des Feuers in Grenzen halten lies.

Von den Gütern der Kirche und Pfarre finden sich die älteren Nachrichten im Hauptbuch der Warler Kirche. Zum Teil sind diese Nachrichten im Knopf des Kirchturms in Schliestedt zu finden. Patron der Kirche und Pfarre zu Warle war immer der Senior des Adeligen Geschlechts von Veltheim. Das Patronatsrecht wurde später vom Grafen Karl von Schwicheldt ausgeübt. Der Gemeinderat und Kammerpräsident der Kirche und Pfarre einigte sich mit der Veltheimischen Familie wegen des Patronatsrechts über die Kirche und Pfarre darauf, alle Verpflichtungen für Warle und Schliestedt künftig zu kombinieren.

Zu dem Schullehrer Angerstein meinte Pastor Köchy :"An die Stelle, des im Jahre 1798 am 2. April in seinem 73. Lebensjahre verstorbenen Schullehrer, Joh. Heinrich Angerstein, dessen Rechtschaffenheit und Berufstreue ich rühmlichst erwähnen muss."

Durch den Tod des verdienstvollen Pastors Joh. Heinrich Köchy, am 29. März im Jahr 1801, erlitt die Gemeinde einen schmerzhaften Verlust. Er wurde auf dem damaligen Warler Friedhof bestattet. Sein Nachfolger als Pastor zu Schliestedt und Warle war Herr Mathias Walter, den ein früher Tod am 30. Februar 1808 in seinem 31. Lebensjahr nach einer halbjährigen Amtsführung seiner Gemeinde entriß, die in diesem rechtschaffenen Manne schon wieder einen treuen Lehrer verlieren mußte. Am 13. Sonntag nach Pfingsten übernahm Pastor Georg Christian Bartels das Amt zu Schliestedt und Warle. Vorher war er Prediger zu Wolfenbüttel.

 


Quellenangabe: Aus den Abschriften der Beigaben aus dem Turmknauf der St. Valentinus Kirche zu Warle, nach einem Bericht von Johann Heinrich Köchy, Pastor geb. zu Braunschweig 1734, vom 19. Dezember 1771.
Zuletzt aktualisiert: Fr 17.12.2010 um 19:09 Uhr