Warle

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Start Kirche Das Kirchenbuch

Kirchenbuch

Auszüge aus dem Warler Kirchenbuch1

21. Januar 1315

"eine Anonyma, so daselbst auf dem Felde mit ihrem kleinen Kinde erfroren gefunden, begraben".

Der Name dieser Mutter, der Name des erfrorene Kindes, werden uns nicht genannt. Wir wissen also nicht, welcher Familie diese beiden Opfer des Winterfrostes angehörten, wir wissen nur daß sie auf ihrem letzten Gange von Not und Armut, vielleicht von Angst und Trostlosigkeit begleitet gewesen sind.

9. August 1657

"Christoph Germer starb in seinem Junggesellenstande, weil man nicht wußte, an was für Krankheit, ward das Haus eine Zeitlang gemieden, weil eben die Pest in Braunschweig stark grassierte, seines Alters etliche 40 Jahre."

Wenn dieser Christoph Germer im Jahre 1657 etliche 40 Jahre zählte, dann könnte er vierundvierzig oder fünfundvierzig Jahre alt gewesen und demnach vielleicht 1613 oder 1612 geboren sein. Dann hat er gewiß auch den Einfall der Kriegsvölker Tillys in das Wolfenbütteler Land zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges erlebt, dann hat er manche der Drangsalen, der Nöte, die jener schreckliche Krieg mit sich brachte, über sich ergehen lassen müssen.

13. Januar 1659

"Christoph Bosse, ein Junggeselle, hat seinem Bruder Hans Bosse befohlen, den Thorweg vorne auf dem Kirchhofe von seiner Nachgelassenschaft zu verfertigen."

Aus dem Eintrag des Sterbedatums und des angegebenen Alters - Christoph Bosse zählte bei seinem Tode 28 Jahre - ist ersichtlich, daß er im Jahre 1631 geboren sein müßte.

27. Dezember 1669

"Christoph Bosse, ein Junggeselle, hat seinem Bruder Hans Bosse befohlen, "Eva Nischke, Andreas Bauers nachgelassene Witwe, im 73. Jahre, ist im Notfall zur Hebamme gebraucht worden, hat einen guten Namen behalten bey jedermann".

10. Januar 1740

"Am 7. Jan. 1740 ist ein Kühen-Dienstjunge, Christoph Curland aus Salzdahlum, welcher am Tage zuvor mit einer Fuder Holz übergefahren, um 5 Uhr des Monats gestorben, und am 10. Januar beerdigt worden."

28. September 1740

"Am 28. Sept. 1740 ist Heinrich Quidde auf der Rückreise von Braunschweig übergefahren und 1/4 Stunde nach seiner Zu Hausekunfft Abends um 7 Uhr gestorben, den 2. October bey volckreicher Versammlung beerdigt worden, seines Alters 31 Jahre, 3 Monate."

Wenn wir das Taufbuch von Warle aufschlagen, dann finden wir, daß dieser Heinrich Quidde am 14. Juli 1709 als Sohn des Ackersmannes Hans Quidde die Taufe empfangen hat und daher nur wenige Tage zuvor geboren sein wird.

1. November 1741

"Am 1. Nov. 1741 ist ein Knecht, Peter Ottmer, im größten Elende gestorben. Dieser Mensch ist tags zuvor einem von Söllingen kommenden Bräutigam nahmens Henning Hinzen, welcher den 31. Oct. Mit Magaretha Elisabeth Diederrichs copulieret worden, nebst anderen entgegengeritten, und hat auch einen in die Pistole geladenen Schuß, der ohnegefähr, als er das Gewehr im Busen stecken, gehabt und aufs Pferd steigen wollen, losgegangen, sich so heftig verwundet, daß er sich todt bluten mußte. Ich habe ihm den 5. Nov., in Gegenwart vieler Freunde zu hören, die Leichenpredigt doch so gehalten, daß sie wohl mit Recht als eine Buße und Ermahnungsrede an die wüste und wilde Jugend konnte angesehen werden. Er war 32 Jahre alt, 1 Monat. Gebe Gott, daß das verderbliche und unnötige Schießen auf Hochzeiten durch einen ernstlich und scharfen Befehl untersagt werden möge".

Dieser Peter Ottmer wollte mit seiner Waffe also einen alten Brauch üben und dem Hochzeitspaare zu Ehren ein paar Schüsse abgeben. Daß er dabei ums Leben kam, war ein Unglück. Wir finden im Taufbuche von Warle, daß dieser Peter Ottmer am 22. Februar 1709 - "am Peterstage" - als Sohn des Rupert Ottmer geboren wurde.

4. Januar 1767

Über einen Unglücksfall berichtet das Kirchenbuch auch unter dem Datum vom 4. Januar 1767: "Ist Hans Schraders Sohn Andreas Georg, welcher den 25. Dec. von Hans Peter Westphals Eber in die Lende und ins Bein gehauen und tödlich verwundet worden und darauf am Neujahrstage abends gestorben, öffentlich begraben worden".

Das muß ein schlimmes Jahresende und ein böser Jahresbeginn für die Familie Hans Schraders gewesen sein, daß dieser Junge durch den Stoß des Ebers derart verwundet wurde, daß er daran sterben mußte. Das Taufbuch läßt uns wissen, daß dieser Junge – Andreas Georg Schrader – am 7. November 1760 zu Warle geboren wurde.

24. August 1772

"Am 24. August 1772 ist des Kotsassen Peter Freise Sohn Joachim Andreas, geboren den 30. selben dem Aedituus Clusius seinen Weizen gebunden hat und einfahren wollen, von dem Sattelpferde gestürzt und auf der Stelle todt liegen geblieben. Eine rührende Warnung gegen die Eitelkeit, den Vorwitz und die Unbedachtsamkeit manches schwachen Vaters, dadurch er verleitet wird, seinen zarten Knaben auf die Pferde zu setzen und eine unüberlegte große Gefahr bloßzustellen. Godt, der nach seiner Weisheit diese Unglück über die Eltern dieses Kindes hat kommen lassen, sorge dasselbe zum Wachstum in heiliger Furcht seines Namens in alle Seelen dieser Gemeinde, welche dieses traurige Schicksal erlebt haben. Den 27. August, des Abends in der Stille beygesetzt."

Der "Adituus" war der Glöckner der Gemeinde, der zugleich auch Schulmeister war. Und weil Clusius, so hieß der Dorflehrer, kein so hohes Gehalt erhielt, wie es die Lehrer in unserer Zeit gewöhnt sind, hat er auf dem Acker, der vielleicht der Gemeinde gehörte, etwas Weizen angebaut, bei dessen Ernte ihm der Kotsasse Peter Freise geholfen hat. Was sich dabei ereignete, geht deutlich aus der Kirchenbuchnotiz hervor.

24. August 1794

"Am 24. Aug. 1794 ist ein krankheitshalber in Warle liegengebliebener Mann in Feldhüters Hause gestorben. Der Name desselben war Johann Wunderling und soll nach Helmstedt gehöret haben. Alter und Krankheit hat nicht bestimmt werden können".

14. November 1795

"Am 14. Nov. 1795 ist des Ackermanns Hans Peter Westfal Sohn – Johann Henning August – da derselbe nach genossenem Frühstück nach den Hürden gegangen war, um die Jährigen nach dem Hofe zu holen, und nun mit dem Vieh nach Hause zog, unterwegs eines ganz unvermuteten Todes gestorben und als eine Leiche in den Hof gebracht worden. Eine Schlagfluss mag sein Leben ein so plötzliches Ende gemacht haben, wovon der Grund in der Vollblütigkeit des Verstorbenen und in einem wesentlichen Fehler seiner Gesundheit, da er von Jugend auf convulsivischen Zufällen unterworfen, vielleicht gelegen hat – 23 Jahre, elf Monate".

"Convulsivische Zufälle", das sind "Krampfartige Anfälle", dieser Johann Henning August Westphal hat offenbar an Krampfanfällen gelitten und diese mögen auch zu seinem Tode geführt haben. Geboren wurde dieser Bauernsohn am 18. Dezember 1771 zu Warle.

5. April 1807

"Am 5. April 1807, des Morgens in der Stille, wird die entseelte Hülle des auf der Pfarre in Schliestedt verstorbenen, wohlverdienten Predigers Johann Heinrich Köchy, nach dessen selbsteigener Vorbestimmung auf dem Warleschen Kirchhofe zu ihrer Ruhestätte gebracht. Sanft ruhe die Asche dieses Edlen."

Unterschrieben ist dieser Eintrag von dem Pastor August Wilhelm Lerche, der seit Jahre 1773 als Pastor in Eitzum wirkte und offenbar dem toten Amtsbruder Köchy die Leichenpredigt gehalten hat. Diesen Pastor Johann Heinrich Köchy wollen wir nochmals kurz näher betrachten. Er wurde am 9. Januar 1334 in Braunschweig als Sohn eines Brauers geboren, studierte in Helmstedt und Göttingen und wurde im Jahre 1762 als Seelsorger nach Schliestedt berufen, wo er dann viele Jahre amtierte, bis er am 29, März 1807 starb und nach seinem Wunsche in Warle beigesetzt wurde. Seine am 12. Juli 1763 geschlossenen Ehe mit der Pfarrerstochter Johanna Lucie Bode aus Watzum entsprossen vier Söhne und nicht weniger als sieben Töchter.

Quelle: [1] Heinz Kulka, Zeitungsausschnitt - ohne Verlagsangabe
Zuletzt aktualisiert: So 05.12.2010 um 14:09 Uhr