Geschichte

Der Hagelfeiertag

Warle war, soweit bekannt, die einzige Gemeinde, welche außer dem vorgeschriebenen Hagelfeiertag noch einen Zweiten feierte.

In einem Bericht von 1747 steht, dass zur Pfarrländerei Warle der sogenannte Papencamp, 13 Morgen groß, gehört hat. Dieses Land wurde von 13 Einwohnern ohne Entgelt gepflügt, die Ernte war frei und wurde für Essen und Trinken auf den Pfarrhof nach Schliestedt gefahren. Dies wurde undenkliche Zeiten so gehalten, da der Pastor alle Predigttage, außer die Adventswochenpredigten, in Warle sein musste. Vor Zeiten hat die Warlsche Gemeinde, mitunter an den hohen Festtagen nach Schliestedt kommen müssen.

Dies änderte sich 1656 laut Vorstellung des Pastors Sebastiani, denn die Warler Gemeinde gelobte, wenn der Pastor an diesen frommen Tagen zu ihnen kommen würde, den Papencamp zu pflügen und die zwei Morgen Land des Schulmeisters ohne Bezahlung zu bestellen. Aus diesem Grund und da vor Zeiten am Fronleichnamstag die ganze Warlsche Feldmark durch ein schweres Hagelwetter total ruiniert wurde, hat die Gemeinde diesen Tag als besonderen (zweiten) Hagelfeiertag "gnädigst erhalten"1.

An diesem Fronleichnamstag wurde viele Jahre das Kinderfest gefeiert, und die Kinder hatten schulfrei. Allerdings war dies um 1930 nicht so einfach, und der damalige Lehrer Pape musste die Schulstunden nachholen lassen. Im Jahre 1935 war laut einer Weisung der Unterricht am Hagelfeiertag nicht mehr auszusetzen.

In den neunziger Jahren wurde auf den Wunsch vieler Eltern mit der Tradition gebrochen und das Kinderfest auf den auf Fronleichnam folgenden Samstag gelegt, damit sich alle an diesem Fest beteiligen konnten.


Quelle: (1) Zur Geschichte von Schliestedt und Warle - Zumeist nach ungedruckten Akten, bearbeitet von Karl Schattenberg, Pastor in Eilum am Elm - Braunschweig und Leipzig - Verlag von Hellmuth Wollermann 1903 - S.114ff

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