Vereine - FFW Warle

Die Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Warle

Die ersten Aufzeichnungen seit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Warle im Jahre 1874, beginnen erst 1886.

Die erste Satzung, gedruckt in der Anstaltsdruckerei Sickte im Jahre 1875, ist heute noch vorhanden. Nach dieser Satzung war die Wehr in drei "Sectionen" von je 6 Mann aufgeteilt, wovon einer der Spritzenmeister war. Weitere ein bis zwei Mann wurden als Steiger ausgebildet. Die gesamte Wehr wurde vom Zugführer geführt, der im Dezember für zwei Jahre gewählt wurde und von der Herzoglichen Kreisdirektion bestätigt werden musste. Eine Wiederwahl dieses "Chargirten" war zulässig. Dieser führte das Ortskommando an, berief die Versammlungen und das Ehrengericht ein, war für das "Einexercieren"eines jeden Mannes verantwortlich und hatte mindestens sechs Übungen im Jahr abzuhalten. Auch die statutengemäßen Strafen wurden von ihm ausgesprochen.

In der Zeit, als der elektrische Strom noch nicht so verbreitet war, waren die Brände doch häufiger. So waren es im Jahre 1891 drei Brände, 1892 derer zwei, 1893 wiederum zwei, 1894 noch mal drei Brände und zwar in Kl. Dahlum, Rohrsheim und Twieflingen. Bei dem Brand in Rohrsheim, zu dem unsere Wehr gerufen wurde, war die Anfahrt recht langwierig und mühsam und das Feuer beim Eintreffen der Löschhilfe schon erloschen, so dass die Mühe umsonst war.

Besonders ärgerlich waren falsche Alarme, bei denen die Wehr oft vergeblich weite Strecken zurücklegte, und man dann kein Feuer vorfand oder nur das Verbrennen von Feldabfällen. So ist am 13.07.1892 vermerkt: Durch starken Rauch bei Uehrde veranlasst, rückte die Wehr aus, kehrte auf halbem Wege wieder um, da es sich herausstellte, dass große HederichshaufenHederichshaufen: Bei Hederich und Quecke handelt es sich um Ackerunkräuter brannten. 1896 war es genauso, da brannten in der Eitzumer Feldmark große Queckenhaufen, die ein Ausrücken nötig machten.

Für das Dorf leben hatte die Feuerwehr immer viel übrig gehabt. Jubiläen wurden regelmäßig gefeiert. Am 6. Januar 1894 wurde das 20-jährige Stiftungsfest gefeiert und es herrschte gehobene Stimmung. Zwei Jahre später begann der Festball um 17.00 Uhr mit einem Festessen, das nur von den aktiven Kameraden eingenommen wurde.

Die Frauen wurden damals auch nicht vergessen. So wurde am 9.7.1892 eine Reise in den Elm mit Frauen durchgeführt.

Ebenfalls wurde am 9.6.1895 eine Waldpartie in der Asse veranstaltet. 1899 war so gute Stimmung, dass es die Kameraden bis morgens früh zusammenhielt.

Auch Monatsversammlungen waren damals üblich. Die Aufzeichnungen vermerken, dass meist ein Faß Bier getrunken wurde.

Am 11.5.1899 wurde das 25-jährige Bestehen sogar mit einer Bezirksübung der Wehren Gr. und Kl. Dahlum gefeiert. Da diese erst nach dem Ball abgehalten wurde, wird es damit wohl nicht so Ernst gewesen sein.

Es war aber auch nicht alles eitel Sonnenschein in der Warler Wehr. So wird vom Dezember 1894 berichtet, dass bei der Wahl der Chargirten W. Schliephake zum Hauptmann gewählt wurde, die Spritzenmeister ihre Wahl nicht annahmen und austreten wollten. Es traten dann F. Möhrig, H. Schliephake, Rieke, W. und Gebensleben sowie Curland aus der Wehr aus. Im Februar des darauffolgenden Jahres fand eine zweite Wahl statt. Willi Schliephake wurde als Hauptmann bestätigt. H. Schrader und Fr. Kühne wurden Spritzenmeister, Obersteiger Dempewolf, Ehrengericht A. Keune und W. Brüns. Es wurden auch zwei Aufnahmen gemeldet. Im März kamen noch vier neue Mitglieder hinzu. Der Krach scheint nicht von langer Dauer gewesen zu sein, denn schon am 31. 3. 1895 stellte F. Möhrig ein Gespann zur Bezirksübung zur Verfügung.

So verging die Zeit bis zum ersten Weltkrieg im Zeichen kontinuierlicher Ruhe. Aber dann wurde es anders. Es wurden fast alle wehrfähigen Männer in diesem Weltenbrand eingezogen. Daher sind bis 1919 weder Chronik noch Kasse geführt worden. Für die Wehr muss es eine schwere Zeit gewesen sein. Die anschließende Inflation hat auch nicht dazu beigetragen, die schlechten finanziellen Mittel aufzubessern. So wurde das Essen und teilweise das Bier, das es anlässlich des Balles gab, von nun an aus der Jagdkasse bezahlt. Dafür wurden die Jagdinteressenten zum Essen mit eingeladen.

Bis zum Jahre 1942 war die Wehr nur mit einer Handspritze ausgerüstet. Diese hatte ihren Dienst mit wechselndem Erfolg geleistet. Die erste Motorspritze war eine der Marke "Flader" mit Zweitaktmotor. Sie wurde am 27.7.1942 ausprobiert und anschließend gut begossen. Trecker ersetzten von nun an das Pferdegespann.

Ihre Bewährungsprobe bestand die Flader am 15.10.1944 bei dem großen Luftangriff auf Braunschweig, wo sie an Seilen zur Oker heruntergelassen einige Tage im Dauereinsatz war.

Der Schlauchturm

Der heute unter Denkmalschutz stehende und noch heute genutzte SchlauchturmWeitere Informationen gibt es hier! wurde 1947 in Betrieb genommen.

1952 versagte auf einer Bezirksübung die Motorspitze vollständig. 1954 wurde das Spritzenhaus neben der Gastwirtschaft bezogen.

1956 wurde endlich eine neue Motorspritze gekauft, da die alte nicht mehr zuverlässig war. Es war eine "VW-Tragkraftspritze".

Unseren letzten Großbrand in Warle mussten wir am 6.2.1963 bekämpfen. Die große Scheune des Landwirts Alfred Steinmeier stand in hellen Flammen, als die Feuerwehr 3:15 Uhr bei minus 18 Grad gerufen wurde. Es froren nicht nur die Strahlrohre ein, auch die Pumpen versagten bald ihren Dienst. Da zu wenig Löschwasser vorhanden war, baute man eine Leitung von Watzum aus auf. Die Tiere konnten gerettet werden, aber das Gebäude brannte nieder. Im Herbst desselben Jahres, wurden auch wegen dieser Erfahrung, Hydranten aufgestellt.

Der Steinmeiersche Hof

Im Jahre 1971 war dann eine große Anschaffung an der Reihe. Es wurde ein TSFTSF: Tragkraftspritzenfahrzeug gekauft, die Wehr war dadurch für lange Zeit gut ausgerüstet. In dieser Zeit war die Feuerwehr in einer Garage auf dem Steinmeierschen Hof untergebracht. Die Wehr hatte dann die anstehende Gemeindereform, alle weiteren Reformen und Unbillen gut überstanden.

Vom 31. Mai bis zum 2. Juni 1974 feierte die Feuerwehr mit dem Schützenverein und dem Gemischten Chor gemeinsam das 100-jährige Bestehen. Der Feuerwehrbeitrag zu diesem Fest war eine Großübung auf dem Hof vom Landwirt Möhrig. Diese Feier war für die Vereine und das Dorf ein großer Gewinn. Man spricht heute noch davon.

Seit dem Brand beim Landwirt Steinmeier musste die Ortswehr nur noch dreimal zu Bränden im eigenen Dorfgebiet ausrücken. Einmal, am 01. November 1973, brannte der Hühnerstall vom Landwirt Franz Scholz, 1992 ein Stoppelfeld am Ingeleber Weg vom Landwirt Dr. Findel und 1996 ein Baumstamm beim Landwirt Helmut Schliephake. Bei keinem der Brände entstand nennenswerter Schaden.

Zu vier Löschhilfeeinsätzen bei Bränden wurde unsere Wehr gerufen. Am 1. April 1979 nach Kl. Dahlum (Scheunenbrand beim ehemaligen Brandmeister Ewald Behrens). 1991 nach Schliestedt zum Großbrand der Reithalle und 1995 zweimal nach Winnigstedt (Brand auf dem Ponyhof und - bei ungefähr -20 Grad - Großbrand der ehemaligen Gaststätte). Der Hauptbestandteil der Einsätze hat sich auf technische Hilfeleistungen konzentriert. Einige Beispiele der Einsätze: Verkehrsunfall mit Schafen, ein Tier musste geborgen werden, Straßen nach Ölunfällen mit Ölbindemittel abgestreut, Beseitigung von Hochwasserschäden, Bergung von verunfallten Geräten usw. 

Der alte TSATSA: Tragkraftspritzenanhänger mit der Flader-Motorspritze hat im Jahre 1993 seinen letzten Weg in das Feuerwehrmuseum nach Hordorf angetreten. Dort ist sie restauriert und ausgestellt. Die Spritze hat nach einer Reparatur und einem Einsatzversuch endgültig den Dienst aufgegeben (ein Pneul ist abgerissen und hat das Motorgehäuse durchschlagen). 

Am 31. März 1993 übergab Karl-Hermann Weidner nach 26 Amtsjahren die Leitung der Ortswehr an seinen Nachfolger Wolfgang Schrader und wurde zum Ehrenbrandmeister ernannt.

Der wohl größte Einsatz der vergangenen 25 Jahre war die Beseitigung der Hochwasserschäden vom 19. Mai 1996. Es waren zeitweise 72 Kameraden im Einsatz. Ein starkes Gewitter über der Feldmark im "Dreiländereck" Warle, Schliestedt und Gr. Dahlum ließ den Ostbach sehr schnell so stark anschwellen, dass er sich in das ganze Dorf ergoss und ca. die Hälfte der Dorffläche überflutete. Bei Landwirt Möhrig lief der Keller ca. 1,20 Meter hoch voll Wasser, bei Hans Decker lief das Wasser durch die Türen und Wände in das Haus und überflutete das gesamte Erdgeschoss. Der Alarm wurde um 20:30 Uhr ausgelöst. Einige Kameraden hatten Schwierigkeiten zum Gerätehaus zu kommen, die Dorfstraße war unpassierbar. Die Wehr rückte, nachdem der Keller einigermaßen ausgepumpt und die Straßen notdürftig passierbar gemacht waren, gegen 2:00 Uhr wieder ein. Der Schlamm stand ca. 20 cm hoch auf Straßen und Höfen. Die nächsten zwei Abende wurden die Straßen und Höfe wieder vom Schlamm und Unrat gereinigt.

Im Juni 1999 feierte die Feuerwehr mit dem Schützenverein und dem Gemischten Chor das 125-jährige Jubiläum. ihrer Gründung. Begonnen wurde am Freitag Abend mit dem Kommers für alle drei Vereine. Am Samstag Vormittag war das halbe Dorf mit neuen und alten Feuerwehrfahrzeugen und Gerätschaften zugestellt. Von 1875 bis 1998 waren die Baujahre der Ausstellungsstücke. Zum Festumzug fuhr die Altersabteilung nach guter alter Väter Sitte mit Trecker, Anhänger und Tragkraftspritzenanhänger in Kombi und schwarzen Helmen mit. Beim Festball wurde ein Theaterstück über das Dorfleben in Warle aufgeführt. Zu einem Kuriosum kam es dann beim Festball. Die bestellte Kapelle konnte nicht aufspielen, da sie in der Zwischenzeit pleite gegangen waren.

Fahrzeugübergabe

Am 17. September 1999 erhielt die FFW Warle ein "neues" Feuerwehrfahrzeug, dass bei der Braunschweiger Berufsfeuerwehr abgeholt wurde. Das Fahrzeug, ein LF8LF8: Löschgruppenfahrzeug 8 , wurde bereits am Vormittag des nächsten Tages ausgerüstet, um gleich am Nachmittag in Klein-Dahlum zu Eimerfestspielen eingesetzt werden zu können.

Die offizielle Übergabe wurde am 20. November 1999 in Schöppenstedt auf dem
Marktplatz durchgeführt. Im Anschluß wurde die Übergabe mit einem Spanferkel und Fassbier zünftig gefeiert. Anwesend waren die Kameraden mit ihren Partnerinnen, Frau Pastorin Paschold, zwei Kameraden der Schapener Feuerwehr, denen das Fahrzeug vorher gehörte und Manfred sowie Andreas Kliebisch, die uns das Fahrzeug vermittelten.

Das alte Fahrzeug wurde Mitte Dezember 1999 außer Dienst gestellt und von der Samtgemeinde Schöppenstedt veräußert. Alle Bemühungen das Fahrzeug im Dorf zu halten schlugen leider fehl.

Bezirksübung in Warle

Der "Erste Spatenstich" für das Warler Feuerwehrgerätehaus an der Dahlumer Straße, wurde am 19. Mai 2001 durchgeführt. Das Richtfest konnte bereits am 04. Juli 2001 gefeiert werden. Am 28. Dezember, nach 222 Tagen, wurde das Gebäude fertiggestellt. Die offizielle Übergabe erfolgte am 12. Mai 2002 im Rahmen einer Bezirksübung, bei dem gleichzeitig ein "Tag der offenen Tür" den Gästen den Neubau näher brachte. Die Wehr hat ca. 2500 Arbeitsstunden an diesem Gerätehaus geleistet.

Der erste Alarmeinsatz aus dem neuen Gerätehaus war am 10. August 2002 aufgrund von Hochwasser in Warle und Winnigstedt notwendig.

Kindergruppe der FFW Warle

Am 02. Oktober 2004 wurde von der Freiwilligen Feuerwehr Warle eine eigene Kindergruppe ins Leben gerufen.

Auf dem Foto sind die zahlreichen Mitglieder, der Ortsbrandmeister Wolfgang Schrader sowie der Orstbeauftragte Edmund Schiewer abgebildet.

Trotz vieler Rückschläge und Widrigkeiten sind wir guter Dinge, dass die Warler Feuerwehr noch lange weiterbesteht. Das Ortskommando und die Wehr werden alles mögliche dafür tun. Somit grüßen wir:

"Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr!"

Brandmeister der vergangenen Jahre:

1874 - 1890 Andreas Buchheister
1890 - 1894 Friedrich Möhrig
1894 - 1927 Willi Schliephake
1927 - 1934 Hans Schliephake
1934 - 1944 Alfred Steinmeier
1944 - 1948 Fritz Brand
1948 - 1957 Fritz Kramer
1957 - 1959 Wilhelm Curland
1959 - 1962 Hans Decker
1962 - 1967 Heinrich Kremling
1967 - 1993 Karl-Hermann Weidner
1993 - xxxx Wolfgang Schrader

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