Die Chronik des Schützenvereins Warle 1874 e.V.
Als der Schützenverein Warle nach den Wirren des letzten Krieges neu gegründet werden sollte, wurde natürlich auch die Frage nach alten Traditionen aufgeworfen. Doch allzu spärlich war das Wissen hierüber, und Unterlagen waren gar nicht mehr vorhanden. So mußten sich die Mitglieder auf die Erinnerung der älteren Einwohner des Dorfes verlassen, die davon zu erzählen wußten, daß in früheren Zeiten schon das Schützenleben in Warle sehr aktiv gewesen war. Ein Schießstand aus dieser Zeit war noch vorhanden. Dort wurde anfangs mit dem Gewehr auf 175 m Entfernung geschossen. Doch diese Schießbahn durchkreuzte zwei Feldwege, so daß wegen der Gefährlichkeit die Schußentfernung auf 50 m zurück verlegt wurde. Das Schützenfest fand alljährlich am 2. und 3. Pfingsttage statt, und der Schützenkönig wurde mit 2 Schuß auf die Scheibe ermittelt.
Auch eine Fahne war vorhanden, die aber, wie die alten Protokolle, bei Kriegsende nicht mehr aufzufinden war. So nahm man dankbar als Geschenk an den Verein den Königsorden des Mitgliedes Erich Becker entgegen, den dieser nach eigenen Angaben im Jahre 1924 beim 50jährigen Bestehen des Vereins überreicht bekommen hatte. Dieser Orden schmückt heute noch die Kette des "kleinen Königs". Rückschlüsse auf das Gründungsjahr waren dadurch gegeben. Erst viele Jahre danach wurde ein Foto und ein Gedicht vom 30. Mai 1898 zum 25. Schützenfest des damaligen "Schützenbundes Warle" gefunden. Somit stand fest, daß im Jahre 1874 der Schützenverein in Warle gegründet worden war!
Die Geschichte des Vereins wurde dann durch die bekannten Ereignisse in Deutschland unterbrochen.
Auf Anregung des Bürgermeisters Otto Curland und unter seinem Vorsitz erfolgte am 16. November 1953 die Wiedergründung des Schützenvereins und die erste Vorstandswahl. Aufgrund seiner Verdienste, besonders in dieser Zeit, wurde er 1964 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Die ersten Versuche im Schießen mit dem Luftgewehr wurden schon im Winter unternommen, und traditionsgemäß zu Pfingsten 1954 fand wieder ein Schützenfest statt. Der erste Schützenkönig, Hans-Henning Schliephake, errang seine Würde mit dem Kleinkalibergewehr noch in dem alten Schießstand, wie auch viele seiner Nachfolger. Der gelungene Auftakt des ersten Schützenfestes gab dem Verein sofort einen großen Aufschwung. Durch den Beitritt zum Deutschen Schützenbund wurde der Schießsport intensiver betrieben und sehr bald die ersten Schießauszeichnungen und Meisterschaftserfolge errungen.
1956 kam es zu einem Vorstandswechsel. Die Leitung des Vereins übernahm der bisherige Schriftführer Fritz Möhrig, der den Verein bis ins Jahr 1987 führen sollte.
Ein erster Höhepunkt im Vereinsgeschehen war der Erwerb einer neuen Fahne und deren Weihe am 28. Mai 1958 durch den Kreisvorsitzenden Kurt Kramer. Im gleichen Jahr wurde auch ein neuer Kleinkaliberstand erstellt. Die Mitglieder leisteten dabei mehr als 1000 Arbeitsstunden, um durch Eigenarbeit die Unkosten zu senken.
Viele gelungene Veranstaltungen folgten hierauf, von denen nur noch das erste gemeinsame Fest der heutigen 3 Jubiläumsvereine, unter dem Motto "90 Jahre Vereinsleben in Warle", erwähnt sein soll. Ein Volksfest mit einem großen Rahmenprogramm und vielen Ehrengästen, bei dem der Landrat Ernst Kunkel die Festansprache hielt. Viele Ehrungen wurden hierbei dem Schützenverein und seinen Mitgliedern zuteil, wie auch in den folgenden Jahren. Darüber hinaus wurde und wird sich auch heute noch bei Schützenfesten vieler befreundeter Vereine im Kreis Wolfenbüttel im Pokalschießen gemessen, wobei natürlich auch die Kameradschaft nicht zu kurz kommt.
Nach dem 100jährigen Bestehen des Vereins beschlossen die Mitglieder einen neuen Schießstand zu bauen. Dieses war angebracht, denn es wurde bis dahin immer noch mit dem KK-Gewehr auf der alten Anlage sowie mit dem Luftgewehr auf dem Saal des Vereinslokals geschossen. Dieses entsprach aber nicht mehr den gestiegenen sportlichen Anforderungen der Schützen. So wurde im Oktober 1976 mit dem Bau des neuen Schießstandes, der zwei KK- und sechs LG-Stände besitzt, begonnen. Er wurde im Oktober 1977 fertiggestellt. Hervorzuheben ist dabei das unermüdliche Engagement der Vereinsmitglieder, die einen beträchtlichen Teil des Baus in Eigenleistung erbrachten. Nach der feierlichen Einweihung der Anlage stellten sich auch gleich große sportliche Erfolge ein. Diese gipfelten im Aufstieg der Schützenmannschaft in die Regionalliga in der Saison 1978/79 und in zahlreichen Kreis- und Unterkreismeistertiteln sowie Rundenwettkampfsiegen.
Da der Schießstand auch heute noch der ganze Stolz des Vereins ist, wurde er seitdem auch ständig weiter ausgebaut. Neben Renovierungsarbeiten am Dach und in den Schießräumen wurde 1995 eine Gasheizung eingebaut.
Aber auch im organisatorischen Bereich tat sich in diesen Jahren sehr viel. So nahm der Verein in den Jahren 1977 und 1987 jeweils eine Satzungsänderung vor, womit er den Status als "eingetragener Verein" sowie die Gemeinnützigkeit erlangte.
Außerdem trat man am 11. Juni 1980 in den Landessportbund Niedersachsen ein.
Im Jahre 1985 bestand der Verein 111 Jahre. Dieses Ereignis ist sogar den höchsten Stellen nicht verborgen geblieben, denn am 2. November 1985 wurde dem Verein die Sportplakette des Bundespräsidenten überreicht, die man im Schießstand bewundern kann.
Da, wie oben schon geschildert, die Pflege der Freundschaft zu den benachbarten Vereinen einen breiten Rahmen im Verein einnimmt, stehen jährlich zahlreiche Schützenfestbesuche an. Dies führte natürlich dazu, daß die Schützenfahne arg strapaziert worden ist. Doch im Jahre 1985 wurde diese restauriert, so daß der Verein heute über eine der schönsten Schützenfahnen im ganzen Kreis verfügt.
Auch im dörflichen Leben hat sich der Verein schon immer stark engagiert. So tragen neben den traditionell an Pfingsten gefeierten Schützenfesten die erstmals 1984 ausgetragenen Sommerfeste viel zur Gemeinschaft innerhalb des Dorfes und des Vereins bei.
Im Jahre 1987 endete die Vorstandsschaft von Fritz Möhrig, und er wurde, ebenso wie Otto Curland, zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. Zu seinem Nachfolger bestimmten die Mitglieder seinen Sohn Georg Möhrig, der den Verein seitdem führt. Dieser hatte die Freude festzustellen, daß der Schützenbruder Kurt Schliephake im Jahre 1994 auf seine 60jährige Mitgliedschaft im SV Warle zurückblicken konnte. Er ist damit das Mitglied, das dem Verein am längsten die Treue gehalten hat.
Die Grenzöffnung der DDR im Jahre 1989 ist nicht spurlos am Verein vorübergegangen, denn am 15.1.1990 wurde eine Partnerschaft mit dem Schützenverein Hoppenstedt aus Sachsen-Anhalt eingegangen, die aber nach wenigen Jahren eingeschlafen ist.
Auch jetzt noch feiert der Verein auf sportlicher Ebene viele Erfolge. Hierbei sind besonders die Qualifikation der ersten Mannschaft für die neugegründete Kreisliga im Jahr 1996 und der Sieg der Juniorenmannschaft bei der Kreismeisterschaft 1999 zu erwähnen. Weiterhin sind in letzter Zeit zahlreiche Titel errungen worden, wobei sich vor allem die Damenabteilung auszeichnete, die seit 25 Jahren sehr erfolgreich von Sigrid Möhrig geführt wird.
Neben diesen Dingen haben sich die Vereinsmitglieder auch auf höherer Ebene im Schützenwesen stark engagiert. So stellte der Verein mit Fritz Möhrig lange Jahre den zweiten Vorsitzenden im Kreisschützenverband Wolfenbüttel, und Georg Möhrig ist der amtierende Vorsitzende des Unterkreises III im Kreisschützenverband Wolfenbüttel. Auch Sigrid Möhrig, Fritz Decker jun. und Helmut Kinder haben und hatten im Unterkreis Vorstandsposten inne.
Zur Zeit besitzt der Schützenverein 64 Mitglieder, darunter auch viele Frauen und Jugendliche. Von diesen sind ungefähr 50 Prozent aktive Mitglieder.
